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Halm für Halm zum Gründerpreis

Bünte Kunstrasen Team

BERGSTRASSE. Der Mann weiß, wo Damen gerne stehenbleiben. Das Modell "Prime" mit 37 Millimeter Florhöhe besticht durch ein verführerisch softes Gefühl auf nackten Fußsohlen. "Die Entscheidung fällt häufig erst beim Probelaufen. Vor allem bei Frauen", sagt Friedrich Bünte. Der Existenzgründer aus Bensheim steckt noch in der Wachstumsphase. Im Gegensatz zu seinem Produkt: Bei diesem nutzt der beste Dünger nichts. Bünte vertreibt Kunstrasen.

Die Musterfläche direkt an der Werner-von-Siemens-Straße sieht aus wie ein immergrüner Ziergarten. In Wirklichkeit ist sie der rote Teppich für Kunstrasenkäufer. Denn hier hat Bünte seine Teststrecke verlegt. Sechs Varianten gehören zur Exklusivkollektion. Neben dem Farbton unterscheiden sie sich durch Gewicht, Florhöhe und Stiche pro Quadratmeter. Manche "Halme" bleiben liegen, andere richten sich wieder auf. "Prime" steht immer aufrecht. 37 Euro der Quadratmeter. Je mehr, desto günstiger. Rollenrabatte.

Drei Mitarbeiter

Die Deutschen, eigentlich ein Volk passionierter Rasenmäher, mögen pflegeleichte Klassiker. Ein etwas dunkleres Modell mit 40 Millimetern ist ein Renner in Europa, aber nicht bei uns. B üntes wichtigster Markt ist deutschsprachig.
In Bensheim, wo er vor 25 Jahren als Handelsvertreter "hängengeblieben" ist, beschäftigt er drei Mitarbeiter in Teilzeit.
Wer seine Nummer wählt, hat den gelernten Kaufmann schnell am Ohr. "Wir sind flexibel", trommelt Bünte für sein Jungunternehmen, das vor drei Jahren als Kopfgeburt nach über neunmonatiger Schwangerschaft das Licht der Welt erblickte.

Als Golfer weiß Friedrich Bünte, worauf es unten herum ankommt. Auf dem Platz ist Kunstrasen zwar tabu, doch darüber hinaus erlaubt und beliebt. Er beschäftigte sich intensiver mit dem Produkt und recherchierte den Markt. "Ich erkannte, dass es noch Möglichkeiten gibt", erklärt der späte Gründer, der nicht nur künstliches Grün für die Terrasse oder den heimischen Garten liefert, sondern auch Messen, Theater und Werbestände ausstattet. Das Material ist strapazierfähig, attraktiv und praktisch.

Wie eine Rakete

Der Markt begrüßte ihn nicht nur, er klopfte ihm dankbar auf die Schulter: Anfang 2011 ist "Bünte Kunstrasen" in Bensheim gestartet - und das wie eine Rakete. Seine Umsatzplanung im ersten Jahr wurde um 90 Prozent übertroffen, im zweiten noch einmal um fast 75 Prozent. Die wesentlichen Gründe für den Erfolg sieht Bünte in einem ausgereiften Businessplan und einem durchdachten Online-Marketing, mit dem er an seine Kunden herankommt. Vor der Selbstständigkeit hat Bünte unter anderem Webseiten optimiert.

Getuftet - nicht gewebt - wird das Material in Benelux. Weil die Oberfläche aus Polypropylen oder Polyethylen hergestellt wird und nicht mehr aus Nylon, entsteht keine Reibungshitze mehr. Ein Vorurteil, mit dem Kunstrasen noch immer konfrontiert wird, weiß Bünte aus eigener Erfahrung. Moderne Modelle sind perforiert und lassen rund 60 Liter Wasser pro Minute durch, sind UV-stabil und kommen ohne Sandfüllung aus. In Büntes Lager warten vier Meter breite Rollen à 25 Meter auf Abnehmer. Gekauft wird geschnitten oder am Stück.

Zum Verlegen hat der Unternehmensgründer eine eigene Technik entwickelt. Er verwendet druckstabile Drainagegitter aus Polyethylen mit beidseitig aufkaschiertem Vliesstoff. Speziell für Entwässerungsanwendungen in Gärten eine ideale Alternative zu Split. "Zu teuer und zu kompliziert", schüttelt Bünte den Kopf. Darüber hinaus ein wirksamer Schutz gegen Maulwürfe und Wühlmäuse, versichert er. Für Balkone und Terrassen eignen sich entsprechende Matten - die der geschäftstüchtige Gründer natürlich selbst anbietet. Seine Strategie: alles aus einer Hand. Bünte setzt auf Komplettlösungen inklusive Zubehör. Seit er die Gitter dazu liefert, hat er noch mehr Rasen verkauft.

Aber schnell muss es gehen. Wer einen Messestand mit Kunstrasen will, braucht das Zeug sofort. Durch ein großes Lager kann Bünte auch kurzfristige Anfragen bedienen. Zum Verlegen der Produkte arbeitet er mit Gartenbauunternehmen zusammen.

Trotz des Erfolgs: Seine Firma sieht der Inhaber noch in den Kinderschuhen. In der Kategorie "Junge Unternehmen im Wachstum" hat er gerade deshalb in der vierten Runde des Gründerwettbewerbs der Wirtschaftsförderung Bergstraße die Jury überzeugt und einen Sonderpreis abgestaubt. Der Sprung ins eigene Geschäft hat sich schon jetzt gelohnt. Die Auszeichnung ist für Bünte auch ein Beleg dafür, dass Unternehmensgründer auch jenseits der 50 erfolgreich sein können. "Das ist doch keine Altersfrage."

Wer also demnächst wieder barfüßige Frauen (und Herren) im südlichen Bensheimer Gewerbegebiet herumtippeln sieht, der ahnt es: Friedrich Bünte im Verkaufsgespräch.

 

Montag, 27.05.2013 Thomas Tritsch, Bergsträßer Anzeiger